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„Kirchliche Lehrmeinungen zur gelebten Sexualität. Ein Überblick von den alttestamentlichen Schriften bis heute.“ Mit Genehmigung des Autors F. K.

1. Sexualität in der Hebräischen Bibel, dem Alten/Ersten Testament:

In den beiden mit einem zeitlichen Abstand von mehreren Jahrhunderten entstandenen Schöpfungsberichten findet sich nirgends eine Schriftstelle, die die Sexualität als etwas Schlechtes oder gar Schändliches bezeichnen würde. Ganz im Gegenteil, Gott selbst erkennt die einzelnen Stufen der Schöpfung als „gut“ und das gesamte Werk seiner Schöpfung am sechsten Tage gemäß dem Text von Gen 1,31 als „sehr gut“. Das Hohelied Salomo führt uns vor Augen, wie unverkrampft das Judentum der sexuellen Lust gegenüberstand. Im Hohelied, das zu den Lehrweisheiten des AT gehört, sind in den acht Kapiteln das Sehnen der sich Liebenden, ihr wechselseitiges Verlangen nach dem geliebten Partner beschrieben, wobei die Wortwahl nicht mit erotischen Ausdrücken spart, wie folgende Beispiele zeigen mögen:

1,2 Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein.
1,13 Mein Freund ist mir ein Büschel Myrrhen, das zwischen meinen Brüsten hängt.
2,5 Er erquickt mich mit Traubenkuchen und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe. 6 Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzt mich.
4,11 Von deinen Lippen, meine Braut, träufelt Honigseim.
7,12 Komm, mein Freund, lass uns aufs Feld hinausgehen und unter Zyperblumen die Nacht verbringen, 13 dass wir früh aufbrechen zu den Weinbergen und sehen, ob der Weinstock sprosst und seine Blüten aufgehen, ob die Granatbäume blühen. Da will ich dir meine Liebe schenken.

In den Gesetzbüchern des Pentateuch, den fünf Büchern Mose, finden wir Ausformungen der Zehn Gebote mit ethischen und sittlichen Richtlinien, von denen die meisten zeitlos und daher mit Ausnahme jener, die kulturell bedingt und aus wissenschaftlichen Erkenntnissen heraus nicht mehr haltbar sind, auch heute beachtet werden sollten. Manche der Richtlinien, zu denen vermutlich auch das Verbot des Inzest zählt, dürften in den negativen Erfahrungen bei Nichteinhaltung ihren Grund haben. Die die Sexualität betreffenden führe ich nachfolgend an:

1.1.Inzest, Ehebruch, Homosexualität, Kindesopfer, Sodomie (Geschlechtsverkehr mit Tieren-Lev 18,1ff-Verbot geschlechtlicher Verirrungen:

1.1.1. Verbot des Inzest:

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Rede mit den Israeliten und sprich zu ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott. 3 Ihr sollt nicht tun nach der Weise des Landes Ägypten, darin ihr gewohnt habt, auch nicht nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch führen will. Ihr sollt auch nicht nach ihren Satzungen wandeln, 4 sondern nach meinen Rechten sollt ihr tun und meine Satzungen sollt ihr halten, dass ihr darin wandelt; ich bin der HERR, euer Gott. 5 Darum sollt ihr meine Satzungen halten und meine Rechte. Denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben; ich bin der HERR. 6 Keiner unter euch soll sich irgendwelchen Blutsverwandten nahen, um mit ihnen geschlechtlichen Umgang zu haben; ich bin der HERR. 7 Du sollst mit deinem Vater und deiner leiblichen Mutter nicht Umgang haben. Es ist deine Mutter, darum sollst du nicht mit ihr Umgang haben. 8 Du sollst mit der Frau deines Vaters nicht Umgang haben; denn damit schändest du deinen Vater. 9 Du sollst mit deiner Schwester, die deines Vaters oder deiner Mutter Tochter ist, sie sei in oder außer der Ehegeboren, nicht Umgang haben. 10 Du sollst mit der Tochter deines Sohnes oder deiner Tochter nicht Umgang haben, damit schändest du dich selbst. 11 Du sollst mit der Tochter der Frau deines Vaters, die deinem Vater geboren ist und deine Schwester ist, nicht Umgang haben. 12 Du sollst mit der Schwester deines Vaters nicht Umgang haben; denn sie ist deines Vaters Blutsverwandte. 13 Du sollst mit der Schwester deiner Mutter nicht Umgang haben; denn sie ist deiner Mutter Blutsverwandte. 14 Du sollst den Bruder deines Vaters nicht damit schänden, dass du seine Frau nimmst; denn sie ist deine Verwandte. 15 Du sollst mit deiner Schwiegertochter nicht Umgang haben, denn sie ist deines Sohnes Frau; darum sollst du nicht mit ihr Umgang haben. 16 Du sollst mit der Frau deines Bruders nicht Umgang haben; denn damit schändest du deinen Bruder. 17 Du sollst nicht mit einer Frau und mit ihrer Tochter Umgang haben, noch mit ihres Sohnes Tochter oder ihrer Tochter Tochter; denn sie sind ihre Blutsverwandten und es ist eine Schandtat.

1.1.1. Dazu lesen wir im KKK:

2388 Als Inzest bezeichnet man intime Beziehungen zwischen Verwandten oder Verschwägerten, unter denen die Ehe verboten wäre [Vgl. Lev 18. 7-20]. Der hl. Paulus brandmarkt dieses besonders schwere Vergehen: „Übrigens hört man von Unzucht unter euch … dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir … diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches“ (1 Kor 5,1.4-5). Inzest verdirbt die Beziehungen in der Familie und stellt einen Rückschritt zu tierischem Verhalten dar. 2389 Mit Inzest sind auch sexuelle Missbräuche Erwachsener von Kindern oder Jugendlichen, die ihrer Obhut anvertraut sind, in Verbindung zu bringen. Dann kommt zu der Verfehlung ein skandalöser Verstoß gegen die leibliche und moralische Unversehrtheit der jungen Menschen hinzu, die dadurch für ihr ganzes Leben gezeichnet bleiben. Hier ist zudem eine krasse Verletzung der Erziehungsverantwortung gegeben.

1.1.1. Das Verbot, Nebenfrauen zu haben:

18 Du sollst die Schwester deiner Frau nicht zur Nebenfrau nehmen und mit ihr Umgang haben, solange deine Frau noch lebt.

1.1.2. Auch im KKK finden wir dazu eine Anmerkung:

2387 Man kann sich vorstellen, welchen inneren Konflikt es für jemanden, der sich zum Evangelium bekehren will, bedeutet, deshalb eine oder mehrere Frauen entlassen zu müssen, mit denen er jahrelang ehelich zusammengelebt hat. Doch lässt sich die Polygamie mit dem sittlichen Gesetz nicht vereinbaren, denn sie „widerspricht radikal“ der ehelichen Gemeinschaft. „Sie leugnet in direkter Weise den Plan Gottes, wie er am Anfang offenbart wurde; denn sie widerspricht der gleichen personalen Würde von Mann und Frau, die sich in der Ehe mit einer Liebe schenken, die total und eben deshalb einzig und ausschließlich ist“ (FC 19) [Vgl. GS 47,2]. Ein Christ, der einst mehrere Frauen hatte, untersteht der strengen Gerechtigkeitspflicht, den finanziellen Verpflichtungen gegenüber seinen ehemaligen Frauen und seinen Kindern nachzukommen.

1.1.3. Verbot des Geschlechtsverkehrs während der Menstruation:

19 Du sollst nicht zu einer Frau gehen, solange sie ihre Tage hat, um in ihrer Unreinheit mit ihr Umgang zu haben. Anmerkung: dafür findet sich im KKK keine Entsprechung

2.1.3. Ehebruch:

20 Du sollst auch nicht bei der Frau deines Nächsten liegen, dass du an ihr nicht unrein wirst.

2.1.4. Die Konsequenzen bei einem Ehebruch sind nach Dtn22, 22 für beide Partner die gleichen:

22 Wenn jemand dabei ergriffen wird, dass er einer Frau beiwohnt, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und die Frau, der er beigewohnt hat; so sollst du das Böse aus Israel wegtun.

2.1.5. Der Wortlaut des Erwachsenenkatechismus zum Ehebruch:

2380 Ehebruch, das heißt eheliche Untreue. Wenn zwei Partner, von denen wenigstens einer verheiratet ist, miteinander eine, wenn auch nur vorübergehende geschlechtliche Beziehung eingehen, begehen sie Ehebruch. Christus verurteilt schon den Ehebruch im Geiste [Vgl. Mt 5,27-28]. Das sechste Gebot und das Neue Testament verbieten den Ehebruch absolut [Vgl. Mt 5,32; 19,6; Mk 10,11; 1 Kor 6,9-10]. Die Propheten prangern ihn als schweres Vergehen an. Sie betrachten den Ehebruch als Abbild des sündigen Götzendienstes [Vgl. Hos 2.7: Jer 5,7]. Die Erzählung von der beim Ehebruch ertappten Frau im Johannesevangelium (NT, Joh 8): Ausgerechnet an einem Sabbat hatten Schriftgelehrte und Pharisäer (Männer) eine Frau , die auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt wurde, zu Jesus gebracht. Sie sagten: „Mose hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen; was sagst du?“ Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger im Sand. Als sie fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sagte: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!“, danach bückte er sich wieder und schrieb weiter im Sand. Daraufhin schlichen alle weg, die ältesten als erste und Jesus blieb mit der Frau allein zurück. Er richtete sich wieder auf und fragte sie: „Hat denn dich keiner verdammt?“ Sie antwortete: “Niemand, Herr“ und Jesus sagte zu ihr:“ So verdamme auch ich dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr.“ Das Berührende an dieser Geschichte ist für mich, dass Jesus auf den ersten Blick nur jemanden ein Recht auf Verurteilung zuerkennt, der selbst ohne Sünde ist- bei genauerem Hinspüren aber niemandem, denn: Wer ist schon ohne Sünde! Und: Auch er verurteilt die Frau nicht sondern appelliert an sie, nicht mehr zu sündigen.

2.1.10. Verbot von Kindesopfern:

21 Du sollst auch nichteins deiner Kinder geben, dass es dem, Moloch geweiht werde, damit du nicht entheiligst den Namen deines Gottes; ich bin der HERR. Anmerkung: Kindesopfer waren zur Zeit des AT Bestandteil des Götzendienstes im jüdischen Siedlungsgebiet und in den dieses Gebiet umgebenden Ländern. Den ersten Hinweis des Verbotes von Kindesopfern finden wir in der Abraham-Erzählung, wo Abraham seinen Sohn Isaak als Prüfung opfern sollte, doch die Stimme aus dem Himmel rief Abraham Zu: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts!“[Gen 22, 11.]

2.1.11. Verbot der Homosexualität:

22 Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

2.1.12. Der KKK zum Thema „Homosexualität:

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10.], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen. 2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen. 2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

2.1.13. Verbot der Sodomie:

23 Du sollst auch bei keinem Tier liegen, dass du an ihm unrein wirst. Und keine Frau soll mit einem Tier Umgang haben; es ist ein schändlicher Frevel. 24 Ihr sollt euch mit nichts dergleichen unrein machen; denn mit alledem haben sich die Völkerunrein gemacht, die ich vor euch her vertreiben will. 25 Das Land wurde dadurch unrein, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, dass das Land seine Bewohnerausspie. Anmerkung: Im KKK findet sich dazu kein direkter Hinweis, allerdings lesen wir allgemein über das Thema „Unkeuschheit“: 2351 Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuss der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer inneren Hinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.

2.1.14. Über das Tragen von Frauen- und Männerkleidern:

Dtn 22, 5 Eine Frau soll nicht Männersachen tragen und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel. Anmerkung: Für diese alttestamentliche Vorschrift können wir in der Welt von heute schwer eine Rechtfertigung finden, da Kleidungsstücke, wie z.B. Hosen, für Menschen beiderlei Geschlechts praktisch sind und kleidsam hergestellt werden.