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Weihnachten

Als wir heute über unsere Weihnachtspläne plauderten. erzählte B. mir folgende Geschichte;
Schon als sie 8 Jahre alt war, gab sie dem Weihnachtstag einen besonderen Wert. Nicht weil sie es von ihren Eltern so vorgelebt bekommen hätte, ganz im Gegenteil. Der Mutter war dieser Tag eher eine Belastung, schließlich war er mit viel Hausarbeit und Vorbereitung verbunden. Vater und Großvater waren auch nicht die größten Weihnachtsfans denn es blieb eine Menge an zusätzlicher Aufgaben wie Baum zurechtschneiden und aufputzen, Krippe aufstellen, und anderes mehr, an ihnen hängen.
Nur einem war Weihnachten viel wert, meiner Freundin B. Im 8. Lebensjahr setzte sich das 1. Mal hin und schrieb und zeichnete detailgenau das „Drehbuch“ für den Weihnachtsabend: Darin hatten Vater und Großvater schon im Wohnzimmer zu sein. Der Eine durfte die Christbaumkerzen anzünden, der andere die Schallplatte auflegen. Danach hatte der Vater die Glocke zu läuten und beide hatten genau den Platz einzunehmen, den B. ihnen vorgab, genau so wie es in ihrem Drehbuch für den Weihnachtsabend stand.
Und wie auf großen Bühnen oft zu sehen, gab es dann den Einzug der (nicht Gladiatoren!) Familie. Sobald die Glocke zu hören war, öffnete B. die Türe des Wohnzimmers. Nicht nur im Drehbuch schritt B. würdig voran Richtung Christbaum, hinter ihr die Mutter und Schwester in der zweiten Reihe. Natürlich war die Abfolge der Lieder und vorgelesenen Weihnachtsgeschichten eben so genau gelistet und vorbereitet.
Auch die nächsten Jahre bestand B. darauf, dass alles genau so zu geschehen hatte, wie sie es im Drehbuch beschrieben hatte, sie hielt daran fest. Sie las das Weihnachtsevangelium vor, der Großvater ätzte: „Das hast eh schon letztes Jahr vorgelesen,“ danach kam ihr Gedicht und die Weihnachtsgeschichte. Und damit auch sicher nichts schief läuft, am wichtigsten Tag des Jahres, der wichtigsten Feier mit den wichtigsten Menschen, übte sie Jahr für Jahr von August bis Dezember mit der Familie des öfteren den Ablauf des Weihnachtsabends.
Es ist Jahrzehnte her, dass B. ein Kind war, aber auch noch heute, im reifen Erwachsenenalter hält B. an ihrer Vorstellung fest, wie Weihnachten zu feiern ist.
Am 24. Dezember lädt B. ihre Verwandten und die ihres Mannes ein und führt Regie nach ihrem Drehbuch.
Ich glaube, ihr ist Weihnachten sehr wichtig und ich glaube ich kann viel von B. lernen. Vielleicht auch Sie, lieber Leser. (GS)


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