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Vatertag

Im 3. Jahrtausend hat es der Mann schwerer denn je, zumindest meiner. Um all meinen Erwartungen zu entsprechen, die ich als moderne und beruflich erfolgreiche Frau und Mutter habe, soll er ein Wunderwutzi sein.
Er muss sich an mir messen und damit ich auch noch hinschmelze, sollte er noch besser, erfolgreicher, souveräner sein, als ich. Schließlich will ich ja noch zu ihm aufblicken, ihn bewundern können. Ein Durchschnittsmann wie meiner hat es da echt schwer. 
Es hat lang gedauert, bis ich das erkannt habe. Die eierlegende Wollmilchsau im Körper (m)eines Mannes zu finden war echt nicht leicht. ABER JETZT: Der Vatertag ist meine Rettung, da wird es mir bewusst. Am Vatertag ist er plötzlich da: Unser Papi, Vati, Papa, mei Oida, mein Einziger, naja er ist halt doch der Beste. Ich möchte ihn gegen keinen Anderen eintauschen.
 Auch wenn ich weiß, dass ich ihm das ganze Jahr über seine Mittelmäßigkeit und Defizite, seine Vergesslichkeit und andere mir unverständliche Eigenschaften gespiegelt habe. An diesem einen Tag des Jahres wird es mit bewusst, er ist der Beste.
Naja, eigentlich ganz klar, ICH und „second best“ passt nicht zusammen. 
Übrigens, habe ich schon erwähnt, dass ich perfekt bin, eine echte Wunderwutzifrau, eine eierlegende Wollmilchfrau in einem sexy Körper? Das weiß ich an jedem Muttertag und da bin ich ja sicher in guter Gesellschaft mit Ihnen, Frau Kollegin. Wow sind wir gut, zumindest am Muttertag.
© GS

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