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Emanzipation

Ich bin ein moderner Mann, wie ich meine. Bin im Haushalt genauso einsetzbar, wie im Job. Wo die Waschmaschine den Einschaltknopf hat, weiß ich seit ich 6 Jahre alt war
und wie man ein Steak zubereitet, habe ich auch drauf.

Ich kann unser Baby wickeln, gehe zum Elternsprechtag von Junior und unterstütze ihn bei den Hausaufgaben. Ich kümmere mich um unsere beiden Autos, packe meinen Koffer für den Skiurlaub selbst und brauche auch niemanden, der mir die Ballgarderobe vorbereitet.
Wenn ich beim Hemdenbügeln schwach bin, gleiche ich das beim Fensterputzen wieder aus.
Ich räume meine Sachen genauso weg, wie meine Partnerin das gerne hat und bin auch beim Einkaufen fit.

Also ich meine, ich bin ein emanzipierter Mann. NUR: Ich bin kein Hausmann! So ganz nebenbei bin ich angestellt in einem Unternehmen, wo die Vorgesetzten der Meinung sind, dass es besser wäre, ich würde gleich meinen Meldezettel auf die Firmenadresse ummelden. Überstunden sind „all – in “ und ein Zeichen für meine Motivation und mein Engagement. Schließlich will ich ja auch die Karriereleiter rauf klettern und mein Studium soll sich rechnen. Von mir wird viel erwartet, im Job vom Arbeitgeber, zu Hause von der Familie.

Und nun das: Ich bin Abends so erledigt, dass ich einfach keine Kraft habe für Sex, ich bin zu müde. Morgens, wenn ich munter bin, (5:30h läutet der Wecker) schläft meine Partnerin tief und fest und liebt es gar nicht, geweckt zu werden. Abends schlafe ich tief und fest. So ungefähr ist das mit der Sonne und dem Mond, „wenn sie aufsteht, geht er schlafen“.

Irgendwie geht die Emanzipation gegen meine Natur. Bei der Dreifachbelastung zwischen Haushalt, Familienvater und Angestellter eines aufstrebenden Unternehmens, ( na klar aufstrebend, bei den Überstunden die wir machen) bleibt der Sex auf der Strecke. Der tolle Hecht im Karpfenteich, der ich vor meiner Familiengründung war, ist heute K.O.

Meine Partnerin, die zur Zeit in Karenz ist und dies noch 1 Jahr bleiben wird, ist das ganz anders. Sie ist Abends noch fit, möchte, dass wir die Zeit zusammen, voll „Lebensfreude“ und mit viel Aktivitäten verbringen. Und nun meine Frage: „Bin ich emanzipiert?“ Mein Eindruck ist: „Nein.“

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